Vom Schreiben im Sommer.

Lange nichts mehr übers Schreiben geschrieben. Was auch daran lag, dass ich lange nichts mehr geschrieben habe. Genauer gesagt seit Anfang Februar. Damals stellte ich die letzte Episode online. Abgesehen von einigen Lesungen war die Arbeit an Henry Sy damit für mich beendet. Dies änderte sich in diesem Sommer. Grund dafür ist ein Buch. Das Buch »Das Gegenteil von Henry Sy«, welches in einigen Monaten erscheinen wird.

Im Sommer las ich zum ersten Mal die bis dahin erschienenen Episoden am Stück. Die Fragen waren: Ist das interessant so und spannend? Wie wirken sich die Zeitsprünge auf das Wahrnehmen der Geschichte aus? Ermüdet die kurze Form der Kapitel? An welchen Stellen widerspricht sich der Inhalt? Welche Ungereimtheiten existieren? Wie glaubhaft ist Henry und sein Verhalten? Welche Figuren leuchten auf, welche bleiben blass? Wo schreibe ich zu ausführlich, wo wiederhole ich bereits Erzähltes? Wovon möchte ich gern mehr wissen?

Die grundsätzliche Frage aber war: Würde die Geschichte von Henry Sy in dieser Form auch in gedruckter Form funktionieren? Bevor ich zu lesen begann, entwarf ich verschiedene Szenarien. Anstatt anhand von Zeitsprüngen könnte das Buch Henrys Leben chronologisch erzählen. Ich könnte verschiedene Episoden zu einem Kapitel zusammenfassen und damit das bruchstückhafte radikal einschränken. Oder ich nutzte das bisher Geschriebene als Materialsammlung und machte daraus einen klassischen Roman, der sich auf einen Handlungsstrang oder eine Zeitspanne konzentrierte und den großen Rest als Hintergrundwissen verstand, welches für das Verständnis der Geschichte keine Bedeutung hätte.

Letztlich fiel die Entscheidung schneller als angenommen. Die ursprüngliche Form sollte bleiben. Das Springen in der Zeit, die kurzen Splitter, die Schlaglichter warfen und sich erst im Kopf des Lesenden als Ganzes zusammensetzten – diese Form zu zerreißen hätte bedeutet, der Geschichte das Rückgrat zu brechen. Eine andere Form wäre ein anderes Leben. Ausschließen wollte ich nicht, eines Tages möglicherweise einen Aspekt intensiver zu beschreiben. Aber das wäre nicht das, mit dem ich vor gut einem Jahr begonnen hatte.

Klar war allerdings, dass sich die Internetversion nicht eins zu eins aufs Gedruckte übertragen lassen würde. Die Kommentare, die Mails, die Links, die Umfrage und vieles anderes würden sich nicht so einfach einfügen. Auf Facebook verstand sich die Form von selbst, auch die Rolle der wechselnden Erzähler. Auf Papier hätte erklärt werden müssen, zu viel, als dass dies dem Lesefluss hätte gut getan. Vielleicht würde ich einen Weg finden, einige Elemente zumindest teilweise einbauen zu können. Immerhin wurde darüber mindestens Ergänzendes vermittelt. Doch im Fokus sollte die Geschichte stehen. Henrys Leben in etwa kurzen 75 Episoden.

Ich las ein zweites und ein drittes Mal. Strich mit Bleistift an, zeichnete rote Fragezeichen, notierte Verbesserungen neben unfertige Sätze. Denn einmal sollten die bereits bestehenden Episoden überarbeitet werden. Also das, was in den fünf Monaten der nahezu täglichen Veröffentlichung nicht möglich war.

Und – neue Episoden sollten entstehen. Einige Episoden sollten offene Fragen klären. Andere sollten Charaktere stärken. Ohne Hast ging ich ans Schreiben. Ließ vielmehr Ideen gären. Etwa zwanzig neue Kapitel plante ich. Als ich mich bereit dafür fühlte, fuhr ich in den Tiefurter Park. Im Gras breitete ich eine Decke aus, blickte lange auf die Ilm und schrieb dann. Fiel mir nichts ein, lag ich nur im Gras.

Weil Neues zu schaffen weitaus mühseliger ist als Bestehendes zu begradigen, fiel es mir weniger schwer, im gleichen Zeitraum die erste Überarbeitung der alten Splitter vorzunehmen. Einige strich ich komplett, der Rest wurde belassen oder korrigiert. Danach mischte ich Altes und Neues zusammen und las ein weiteres Mal.

Das wiederholte sich, bis ich eines Tages keinen Buchstaben im Dokument mehr ansprechend fand. Nun war der Zeitpunkt gekommen, eine weitere Pause einzulegen. Ich schickte 75 Kapitel zum Lektorat.

Das ist der Stand der Dinge. Die nächste Überarbeitung steht bald an. Warten, erneut lesen, anstreichen, überarbeiten, neu schreiben, mischen, lesen, überarbeiten, absprechen etc. Was wie üblich bis zu dem Tag geschehen wird, an dem das Dokument definitiv in die Druckerei geschickt werden muss.

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